Demokratie verteidigen. Lernen aus der Geschichte des Fußballs – auch in Heidenheim
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Rund um diesen Jahrestag gedenkt der deutsche Fußball gemeinsam mit der Initiative „!Nie Wieder“ der Millionen Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Auch wir beim 1. FC Heidenheim 1846 e.V. setzen an diesem Erinnerungstag aus Überzeugung bewusst ein Zeichen, heute und darüber hinaus.
Der Nationalsozialismus nutzte den Sport gezielt als Instrument – zur Propaganda, zur Normierung von Freizeit und zur Vorbereitung auf Krieg. Auch der Fußball blieb davon nicht unberührt. Jüdische Pioniere wie Walther Bensemann, Mitbegründer des DFB und Gründer des kicker, wurden ausgegrenzt. Selbst Nationalspieler wie Julius Hirsch, Deutscher Meister von 1910, hatten keinen Platz mehr im deutschen Fußball. Hirsch wurde in Auschwitz ermordet. Die Aufarbeitung dieser Geschichte begann vielerorts erst Jahrzehnte nach 1945.
Auf dem heutigen Areal des 1. FC Heidenheims 1846 und in der näheren Umgebung standen in den Jahren 1934 bis 1963 Gebäude, die teils zur Vorbereitung des 2. Weltkrieges, teils für die Unterbringung von "Displaced Persons" nach dem Kriege benutzt wurden. Auch ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau mit rund 50 Inhaftierten wurde hier eingerichtet. Die Gefangenen wurden zur Zwangsarbeit herangezogen. Unter ihnen waren drei Gefangene, Johannes Prechtl, Josef Berglehner und Heinrich Weigand. Sie versteckten bei Ausbauarbeiten in der Wohnanlage der Polizeischule, heutige Wohnsiedlung Schloßhau, von Hand gravierte Fliesen und bezeugten damit ihre Inhaftierung und Ausbeutung.
Auch eine SS-Helferinnenschule wurde in den Gebäuden der Polizeischule untergebracht. Und in unmittelbarer Nähe wurde eine Maschinengewehr-Schießanlage von den Inhaftierten fertiggestellt. Die Polizeischüler wurden auch hier für ihren Einsatz in Polizeibataillonen ausgebildet.
Der 1. FC Heidenheim 1846 stellt sich dieser geschichtlichen Verantwortung mit einer sorgfältigen historisch sauberen Aufarbeitung und einer zeitgemäßen und würdevollen Präsentation der Geschehnisse. Die bereits in Auftrag gegebenen Ausarbeitungen – in Zusammenarbeit mit der Stadt Heidenheim und dem Fanprojekt Heidenheim – werden alsbald in absehbarer Zeit in mehreren Modulen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Blick in die Geschichte mahnt: Demokratie, Menschenwürde und Gleichberechtigung sind keine Selbstverständlichkeit. Erinnerung bedeutet Verantwortung – für den Umgang miteinander und für den Schutz unserer gemeinsamen Werte. Der Erinnerungsspieltag steht deshalb für Solidarität, für Wachsamkeit und für ein klares Bekenntnis zur Menschlichkeit.
Nie wieder. Jetzt und immer.