Der 1. FC Heidenheim 1846 zeigte, vor 81.365 Zuschauern, am Sonntagabend beim Tabellenzweiten einen äußerst couragierten Auftritt und lag zwischenzeitlich durch einen Doppelpack von Julian Niehues (45.+5, 48.) sogar mit 2:1 in Führung. Ein Doppelschlag von Serhou Guirassy (68. Elfmeter & 70.) drehte die Partie aber und brachte Borussia Dortmund letztlich auf die Siegerstraße, auch weil der FCH in der Nachspielzeit gleich zwei große Möglichkeiten zum Ausgleich noch liegen ließ.
Gleich sechs Wechsel im Vergleich zum Spiel gegen RB Leipzig nahm Frank Schmidt dabei vor: Leo Stergiou (Adduktorenverletzung), Benedikt Gimber (Gelbsperre), Jonas Föhrenbach, Jan Schöppner, Arijon Ibrahimovic und Adrian Beck (alle Bank) wurden durch Marnon Busch, Tim Siersleben, Omar Traoré, Julian Niehues, Startelfdebütant Hennes Behrens und Rückkehrer Eren Dinkci ersetzt.
Die Anfangsphase gestaltete sich dabei zunächst ohne Höhepunkte, wobei die Rot-Blau Weißen sich nicht versteckten und im Spielaufbau gefällig von hinten aufbauten. Defensiv gingen die FCH Profis konzentriert zu Werke, sodass es bis zur 14. Minute dauerte, ehe der BVB erstmals gefährlich wurde. Serhou Guirassy setzte sich auf der linken Seite im Zweikampf gegen Patrick Mainka durch und zog aus spitzem Winkel ab, doch Diant Ramaj klärte zur Ecke.
In der Folge blieb es aber ansonsten noch eine chancenarme Begegnung, welche die Gastgeber zwar versuchten zu dominieren, jedoch durchaus ihre Probleme mit dem FCH hatten, der sich weiterhin keineswegs versteckte. Nach einer Hereingabe von Dinkci drückt Mainka den Ball in der 24. Minute im Fünfmeterraum im Duell mit Kobel über die Linie, die Situation wird jedoch auf nicht nachvollziehbare Weise abgepfiffen. Wenige Augenblicke, nachdem Karim Adeyemi (26.) Torhüter Diant Ramaj aus der Distanz geprüft hatte, ergab sich die große Möglichkeit zur Heidenheimer Führung: Nachdem der BVB eine Flanke von links nicht klären konnte, kam Eren Dinkci im Sechzehner zum Abschluss, Gregor Kobel reagierte jedoch handlungsschnell.
Nun wurde es chancen- und actionreicher auf beiden Seiten: Nach einer weiteren gefährlich getretenen Ecke der Dortmunder, knapp eine halbe Stunde war zu diesem Zeitpunkt absolviert, hatten die FCH Profis Glück, dass der wuchtige Kopfball von Nico Schlotterbeck nur knapp über dem Gehäuse landete. Borussia Dortmund wurde nun deutlich zwingender in seinen Aktionen. Das machte sich in der 38. Minute deutlich bemerkbar. Guirassy traf in dieser Szene jedoch, nach einem Brandt-Steckball, nur den Querbalken. Die nächste Ecke brachte dann aber die Führung! Yan Couto spielte den Ball hoch in die Mitte, wo Diant Ramaj den Ball nicht festhalten konnte, weil er von Guirassy gestört wurde und Waldemar Anton staubte zum 1:0 (44.) ab.
In der Pause reagierte Frank Schmidt erstmals personell in dieser Partie und brachte Arijon Ibrahimovic für Mathias Honsak neu von der Bank. Auch wenn die Dortmunder die erste Chance nach dem Seitenwechsel durch Jobe Bellingham (47.) hatten, kam unsere Mannschaft mit durchaus Schwung aus der Kabine. Der zuvor eingewechselte Arijon Ibrahimovic wirbelte die BVB-Hintermannschaft direkt durcheinander; über Dinkci gelangte das Leder erneut zu Julian Niehues. Sein wuchtiger Distanzschuss wurde von Svensson unhaltbar abgefälscht und schlug im langen Eck zur 2:1-Führung ein (48.) – die Partie war gedreht! Bitter: Knapp zehn Minuten später hätte Marvin Pieringer die Führung sogar ausbauen können, doch sein Kopfball nach einer Ecke strich knapp über die Querlatte (57.).
In der Folge erhöhte Dortmund den Druck und drängte die Rot-Blau-Weißen tief in den eigenen Sechzehner. Ein unglückliches Handspiel von Niklas Dorsch führte nach VAR-Eingriff zum Strafstoß, den Guirassy trotz Diant Ramajs Fingerspitzen zum 2:2 verwandelte (68.). Kurz darauf hatte Maximilan Beier im Konter dann zu viel Platz und gab ins Zentrum, wo Guirassy zum 3:2 einschob (70.). Wieder drehte ein Doppelpack die Partie.
In der Schlussphase wurde es daraufhin noch einmal hektisch: Nach einem Foul von Tim Siersleben gab es erneut Elfmeter für den BVB, doch die FCH Profis hatten das Glück des Tüchtigen – Guirassy setzte den Heber kläglich über das Tor (85.). In der nervenaufreibenden achtminütigen Nachspielzeit ging das Team von Frank Schmidt nochmal aufs Ganze, beinahe von Erfolg gekrönt: Erst scheiterte Arijon Ibrahimovic frei vor dem Kasten nach einer Busch-Flanke (90.+1), dann verzog Joker Mikkel Kaufmann aus aussichtsreicher Position (90.+5). So blieb es bei einer bitteren 2:3-Niederlage, bei der sich der FCH am Ende nicht mit einem verdienten Punktgewinn belohnen konnte.
Aus dieser Leistung lässt sich aber Mut ziehen für die nächste Aufgabe in der Bundesliga. Am kommenden Samstag (15:30 Uhr) empfängt der 1. FC Heidenheim 1846 dann den Hamburger SV zum nächsten wichtigen Duell im Kampf um den Klassenerhalt in der Voith-Arena.
Statistik zum Spiel
BVB: Kobel – Mane (46. Süle), Anton, Schlotterbeck – Yan Couto (58. Beier), Bellingham (58. Chukwuemeka), Nmecha, Svensson – Adeyemi (69. Fabio Silva), Brandt – Guirassy (90.+3 Özcan)
Bank: Meyer, Drewes; Bensebaini, Ryerson
FCH: Ramaj – Busch, Mainka, Siersleben – Traoré (80. Schimmer), Dorsch, Niehues (70. Schöppner), Behrens, Dinkci (80. Kaufmann) – Pieringer (80. Conteh), Honsak (46. Ibrahimovic)
Bank: Feller; Föhrenbach, Beck, Kerber
Tore: 1:0 Anton (44.), 1:1 Niehues (45.+5), 1:2 Niehues (48., Dinkci), 2:2 Guirassy (68., Handelfmeter, Dorsch), 3:2 Guirassy (70., Beier)
Bes. Vork.: Guirassy schießt Foulelfmeter übers Tor (Busch an Guirassy, 85.)
Gelbe Karten: Anton, Kobel – Honsak, Niehues
Schiedsrichter: Dr. Jöllenbeck (Freiburg)
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft) im SIGNAL IDUNA PARK