Trainer-Interview Frank Schmidt

Frank Schmidt: „Alles andere als ein Selbstläufer!“

Im Interview vor der Heimspielpremiere am Samstag (13 Uhr, Voith-Arena) gegen Eintracht Braunschweig spricht FCH Cheftrainer Frank Schmidt über den starken Aufsteiger und den Start in die neue Saison.

Frank, die Aufgabe zum Saisonstart am vergangenen Wochenende hätte wohl kaum unangenehmer ausfallen können. Auswärts und dann vor 25.000 Zuschauern bei Hansa Rostock im Hexenkessel Ostseestadion, am Ende siegte Deine Mannschaft verdient mit 1:0. Was waren für Dich die Erfolgsfaktoren dafür?

Insgesamt sind wir dort, dank einer guten und geschlossenen Mannschaftsleistung, sehr stabil aufgetreten. Uns ist es gelungen, den Druck der Rostocker von Beginn an aus dem Spiel zu nehmen. Wir haben sie, bis auf wenige Einzelaktionen, in ihrem eigenen Stadion nicht zur Entfaltung kommen lassen. Selbst wiederum haben wir die Phase nach der Halbzeitpause genutzt, um in Führung zu gehen. Gegen Ende waren wir defensiv dann nochmal richtig gefordert, aber auch das haben wir gut gemeistert und uns die drei Punkte somit auch redlich verdient.

Unser Cheftrainer Frank Schmidt im Austausch mit seinem ehemaligen Schützling John Verhoek.

Hinter Euch lagen fünf Wochen Vorbereitung mit insgesamt sechs Vorbereitungsspielen. Aber so richtig weiß man vor dem Saisonstart nie, wo man leistungsmäßig steht, oder?

Zunächst einmal geht es ja allen Mannschaften so, das ist also kein Problem. Was es zu Beginn einer neuen Spielzeit tatsächlich etwas schwieriger macht, ist die Einstellung im Vorfeld der Partien auf den jeweiligen Gegner. Du weißt, auf Grund der personellen Veränderungen, nicht so ganz, was auf dich zu kommt. Außerdem gibt es natürlich auch weniger Vergleichswerte als während der Saison. Umso mehr gibt dir ein gutes Ergebnis zum Start natürlich Rückenwind für die weiteren Aufgaben. Das ist jedoch schon wieder Geschichte. Wir treffen jetzt mit Eintracht Braunschweig auf einen starken Aufsteiger, der am vergangenen Sonntag gegen den HSV ein richtig gutes Spiel gezeigt hat. Das wird die nächste Herausforderung, wenngleich auch unter anderen Vorzeichen, weil Braunschweig einen anderen Fußball spielt als Hansa Rostock. Um es an dieser Stelle klar zu sagen, unser Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig wird alles andere als ein Selbstläufer!

In der Vorbereitung konnte die Mannschaft von Frank Schmidt die SG Dynamo Dresden und Markus Anfang mit 1:0 bezwingen.

Wie schätzt Du Eintracht Braunschweig denn für das Heimspiel am Samstag ein?

Gegen den Hamburger SV haben die Braunschweiger auf eine kompakte Defensive gesetzt, teilweise im Abwehr-Pressing agiert und waren dann bei Kontern brandgefährlich. Auf der Doppelspitze, auf der Zehnerposition und auf den Außenbahnen verfügen sie jeweils über extrem viel Tempo. Im Spiel gegen den HSV konnten sie sich zahlreiche Chancen erspielen und hätten in Führung gehen müssen. Wir sind also beim Thema Kontersicherung gewarnt. Die Frage ist, ob sie die Partie gegen uns ähnlich wie gegen den HSV angehen werden oder, ob sie eine andere Herangehensweise wählen. Aber egal, wie sie es angehen, wir werden uns vor allem auf uns konzentrieren!

"Wir werden uns vor allem auf uns selbst konzentrieren."

Kurios ist, dass am Samstag auf der gegnerischen Trainerbank mit Michael Schiele diesmal ebenfalls ein gebürtiger Heidenheimer sitzen wird. Inwiefern kennt Ihr Euch?

Uns verbindet jetzt keine engere, persönliche Vergangenheit, aber Michael Schiele ist ja schon lange im Trainergeschäft aktiv. Zunächst als Co-Trainer beim VfR Aalen und in Fürth, aber auch später bei seinen Cheftrainerstationen in Würzburg und in Sandhausen sind wir schon aufeinander getroffen. Mich freut es, dass ein weiterer Trainer aus Heidenheim im Profifußball erfolgreich tätig ist und mit einem Traditionsverein wie Eintracht Braunschweig in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist. Daher habe ich ihm nach dem Aufstieg damals auch gratuliert.

In der Saison 2020/21 konnte Michael Schiele, damals noch mit dem SV Sandhausen, gegen Frank Schmidt und den FCH mit 4:0 gewinnen.

Nach dem Start auswärts in Rostock folgt gegen Braunschweig nun die Heimspielpremiere der Saison 2022/23. Wie groß ist die Vorfreude, nachdem die Voith-Arena in der zurückliegenden Spielzeit punktemäßig wieder einmal einer Festung glich?

Klar, freuen wir uns jetzt nach gut zwei Monaten wieder auf die Voith-Arena und unsere Fans! Wir hatten letzte Saison daheim zweifelsohne eine außergewöhnliche Bilanz vorzuweisen und waren nach 34 Spieltagen das zweitbeste Heimteam der 2. Bundesliga. Das auf diesem Niveau ähnlich stark zu wiederholen, wird jedoch eine Herausforderung. Auf der anderen Seite war unsere Auswärtsbilanz im letzten Jahr keineswegs zufriedenstellend. Unabhängig davon, ob zu Hause oder auswärts, wollen wir grundsätzlich jedes Spiel gewinnen. Und damit uns das möglichst häufig gelingt, müssen wir den Fußball spielen, für den wir seit Jahren stehen – geprägt von hoher Intensität, maximaler Lauf- bzw. Zweikampfstärke und schnellem Umschaltspiel!

"Klar, freuen wir uns jetzt nach gut zwei Monaten wieder auf die Voith-Arena und unsere Fans!"

Abschließend, wie lautet die Zielsetzung für das mittlerweile neunte Jahr in Folge in der 2. Bundesliga?

Daran hat sich zunächst einmal nichts geändert: Die große Herausforderung für uns als FCH ist es, jedes Jahr aufs Neue in dieser äußerst ausgeglichenen 2. Bundesliga erfolgreich zu bestehen. Das bleibt nach wie vor unser oberstes Ziel. Voraussetzung dafür wird wieder ein guter Start sein. Mit einem Sieg in Rostock ist es da natürlich nicht getan. Ein vorläufiges Zwischenfazit wird erst nach acht bis zehn Spieltagen Sinn machen. Da wird dann schon eine Tendenz in die eine oder andere Richtung zu erkennen sein. Fakt ist, dass es unser Auftaktprogramm in sich hat. Am 3. und 4. Spieltag treten wir zweimal nacheinander auswärts beim HSV und in Nürnberg an. Umso wichtiger wäre es, wenn wir gegen Braunschweig die drei Punkte in Heidenheim behalten. Das würde für zusätzliches Selbstvertrauen sorgen.

"Die große Herausforderung für uns als FCH ist es, jedes Jahr aufs Neue in dieser äußerst ausgeglichenen 2. Bundesliga erfolgreich zu bestehen."