Gegnerinterview

Dimitrij Nazarov: „Wir spielen gegen eine der unangenehmsten Mannschaften der Liga“

Offensivspieler Dimitrij Nazarov vom kommenden Gegner Erzgebirge Aue thematisiert im Gegnerinterview die akute Abstiegsgefahr seiner Mannschaft und das bevorstehende Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Heidenheim 1846. Dabei schwärmt der 32-Jährige auch von einem „der besten Trainer der 2. Liga“.

Dimitrij Nazarov, am vergangenen Wochenende mussten Sie gegen Hannover 96 eine bittere Heimniederlage hinnehmen. Was war ausschlaggebend für das 1:3 im Erzgebirgsstadion?

„Das Spiel gegen Hannover spiegelt eigentlich unsere gesamte Saison wider. Wir nehmen uns unheimlich viel vor, kassieren dann aber schon nach zwei Minuten ein Eckballtor und laufen dem Ergebnis wieder hinterher. Der Gegner stellt sich noch tiefer rein und dadurch wird es unheimlich schwer. Wir verlieren am Ende 1:3, trotz einer guten zweiten Halbzeit. Wir waren nach dem 1:2-Anschlusstreffer wieder dran, aber wie gesagt: Das spiegelt unsere ganze Saison wider. Denn am Ende hat es erneut nicht gereicht. Wir haben zu viele Fehler gemacht und das wird in dieser Liga knallhart bestraft.“

Mit 19 Punkten aus 29 Spielen steht Erzgebirge Aue auf dem letzten Platz und hat neun Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. Was stimmt Sie positiv, dass Sie diesen Rückstand bei nur fünf verbleibenden Spielen noch aufholen und die Klasse halten können?

„Man muss realistisch sein, dass es schon ein unglaubliches Wunder wäre, wenn wir es noch auf den Relegationsplatz schaffen würden. So realistisch müssen wir einfach sein. Für uns ist einfach wichtig, dass wir uns für unsere Fans weiterhin verausgaben. Wir spielen jetzt gegen Heidenheim, eine der unangenehmsten Mannschaften der ganzen Liga. Sie sind insbesondere zu Hause enorm stark und ligaweit die zweitbeste Heimmannschaft. Das ist ein sehr schwerer Gegner. Wir sind es uns allen und besonders unseren Fans schuldig, dass wir das seriös zu Ende spielen und noch versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen.“

Dimitrij Nazarov: "Es wäre schon ein unglaubliches Wunder, wenn wir es noch auf den Relegationsplatz schaffen würden."

Sie sind nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga im Jahr 2016 zum FC Erzgebirge Aue gewechselt und befinden sich in Ihrer sechsten Saison beim FCE. Was würde es für den Verein, aber auch für die Stadt, die Umgebung und die Fans, bedeuten, wenn man in der kommenden Saison in der 3. Liga antreten müsste?

„Das wäre natürlich unheimlich traurig. Aue gehört mit diesem Stadion auf jeden Fall in die 2. Liga. Wir haben es viele Jahre geschafft, in der Liga zu bleiben und hatten sehr tolle Erlebnisse mit richtigen geilen Spielen hier. Der Gang in die 3. Liga tut unheimlich weh, das ist ganz klar. Aber so ist das im Fußballgeschäft. Da muss man sich schütteln, nach vorne schauen und dann wieder neu angreifen. Aber es tut natürlich unheimlich weh.“

Inzwischen ist in ganz Deutschland wieder eine Vollauslastung der Stadien möglich. Wie wichtig ist für Sie als Spieler, der Support der Fans in vollen Stadien und insbesondere im Saisonendspurt?

„Der Support ist natürlich sehr wichtig. Wir haben uns glaube ich alle darauf gefreut, endlich wieder in vollen Stadien zu spielen. Das ist auch das, was uns so ein bisschen fehlt, wenn man unsere Historie hier in Aue betrachtet. Wir waren unheimlich heimstark und haben sehr viele Punkte zu Hause geholt. Die fehlen uns natürlich jetzt an allen Ecken und Enden. Wir hatten viele Geisterspiele und haben viele Punkte hier liegen lassen. Aber das soll keine Ausrede sein. Natürlich freuen wir uns jetzt noch, auf das hoffentlich volle Haus gegen Hansa Rostock und Werder Bremen. Wir hoffen natürlich, dass wir vor heimischer Kulisse noch die Punkte holen werden.“

Für Dimitrij Nazarov und den FC Erzgebirge Aue ist der Support der Fans "sehr wichtig".

Sie selbst standen dem FCH insgesamt 13-mal mit Preußen Münster, dem KSC und Erzgebirge Aue auf dem Platz gegenüber. Dabei erzielten Sie ein Tor und legten zwei Treffer auf. Wie haben Sie Ihre bisherigen Begegnungen mit den Rot-Blau-Weißen in Erinnerung?

„Das waren immer hart umkämpfte Spiele, egal ob mit Münster, dem KSC oder Aue. Der FCH ist eine unglaublich schwer zu bespielende Mannschaft und sie haben meiner Meinung nach einen der besten Trainer der 2. Liga. Ich vergleiche das immer so ein bisschen mit dem SC Freiburg und Christian Streich, der jahrelang dort etwas aufgebaut hat. Genau so ist es auch mit Frank Schmidt in Heidenheim. Ich kenne ihn persönlich und wir sprechen immer nach dem Spiel miteinander. Er ist ein unheimlich sympathischer Trainer. Auch wenn wir mal gewonnen haben, kommt er her, nimmt mich in den Arm und sagt: ‚Glückwunsch‘. Das machen auch nicht viele Trainer. Er stellt die Mannschaft immer richtig gut auf den Gegner ein und findet immer etwas, mit dem der Gegner nicht rechnet. Er ist ein super Trainer und der FCH kann sich glücklich schätzen, so jemanden zu haben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie oben anklopfen und eine Liga höher kommen.“

Erzgebirge Aue und der FCH traten dagegen bereits 16-mal gegeneinander an. Bei diesen Aufeinandertreffen spricht die Bilanz mit acht Siegen, fünf Remis und nur drei Niederlagen für den 1. FC Heidenheim 1846. Was für ein Spiel erwarten Sie am Ostersonntag?

„So wie es immer ist: hart umkämpft. Die Heidenheimer sind bekannt dafür, dass sie zu Hause voll draufgehen und sehr eklig zu bespielen sind. Sie haben hinten ein paar richtige Ochsen drin und Kleindienst vorne mit seinen gefühlten zwei Metern ist auch nicht gerade einfach zu bespielen. Es werden viele Flanken kommen, es wird viele Zweikämpfe geben und es wird hart umkämpft sein. Da gilt es natürlich, den Kampf anzunehmen und die Chancen, die wir haben, auszunutzen. Da wird es auf jeden Fall auf die Socken geben.“

Dimitrij Nazarov und Norman Theuerkauf spielten bereits gegeneinander als der heutige Erzgebirgler noch für den Karlsruher SC aktiv war.

Eine der drei Niederlagen musste der FCH im Hinspiel dieser Saison beim 0:2 in Aue hinnehmen. Frank Schmidt sprach damals auf der Pressekonferenz davon, dass sich der FCH „den Schneid abkaufen“ lassen habe und die Einstellung und Mentalität klar auf der Auer Seite gelegen habe. Wie wollen Sie die Partie dieses Mal angehen?

„Nur so klappt es gegen Heidenheim. Wir waren ab der ersten Minute ganz, ganz eklig und haben ihnen in den Zweikämpfen den Schneid abgekauft, obwohl darin eigentlich der FCH seine Stärken hat. Wir haben gegen sie in Aue verdient gewonnen und das gilt es auch in Heidenheim abzurufen. Heidenheim kommt immer erst über die Zweikämpfe und dann über das Spielerische. Wir müssen schauen, dass wir sie mit den Zweikämpfen brechen. Wir werden auch in Heidenheim Chancen bekommen, die gilt es dann eiskalt auszunutzen. Wir sind gut vorbereitet, aber natürlich kann man Frank Schmidt alles zutrauen, da er jedes System kennt beziehungsweise immer etwas in petto hat. Heidenheim ist zu Hause richtig gut, aber wir freuen uns auf das Spiel und werden hoffentlich mit drei Punkten zurück nach Aue fahren.“

FCE-Offensivspieler Dimitrij Nazarov freut sich auf ein "hart umkämpftes" Spiel in der Voith-Arena.