Was macht eigentlich...?

Was macht eigentlich Jan Zimmermann?

Zwei Jahre lang hütete der geborene Offenbacher Jan Zimmermann das Tor des 1. FC Heidenheim 1846 in der 2. Bundesliga. Während dieser Zeit und auch bei seinen weiteren Profistationen sorgten viele Emotionen für große Highlights in seiner Karriere. Wir haben uns mit „Zimbo“ über das Vergangene und seine aktuelle Tätigkeit als Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt unterhalten.

Jan Zimmermann, der in seiner Zeit beim FCH auch als „Zimbo“ bekannt war, startete seine fußballerische Karriere bei den Kickers Obertshausen, wo der damals 7-Jährige von 1992 bis 1994 regelmäßig gegen den Ball trat. Im Anschluss daran legte der am 19. April 1985 geborene Offenbacher eine beachtliche Serie von 16 Jahren am Stück bei Eintracht Frankfurt hin. Dort durchlief Zimmermann alle Jugendmannschaften, spielte mit Frankfurts U23-Mannschaft in der Oberliga Hessen sowie der Regionalliga Süd und konnte am 24. September 2005 mit den Eintracht-Profis sein Bundesligadebüt gegen den VfL Wolfsburg feiern.

„Damals war alles groß und neu, unglaublich aufregend und lehrreich für mich. Man muss es ganz klar sagen, die ersten zwei Jahre bei Frankfurt war ich der Lehrling. Ich hatte damals mit Andreas Menger (Torwarttrainer) und Friedhelm Funkel (Cheftrainer) zwei Trainer, die sehr offen mit mir umgegangen sind“, erklärt „Zimbo“ seine Anfänge im Profifußball. Auch mit Hilfe der beiden Trainer konnte sich Zimmermann durch viel harte Trainingsarbeit über die Jahre hinweg zu einer echten Alternative im Frankfurter Tor entwickeln: „In den letzten zwei Jahren war ich dann vollwertig auf dem Niveau meiner Kollegen. Da waren es dann leider sehr viele Verletzungen, wie ein Rippenbruch oder eine schwere Sprunggelenksverletzung, die mich wieder zurückgeworfen haben. Aber so spielt das Leben halt manchmal. Am Schluss sollten auch all diese Verletzungen so sein, denn jede Etappe meines Lebens hat mich entscheidend weitergebracht und das steht für mich über allem.“

Ab Sommer 2010 suchte Jan nach dem ersten Kapitel in Frankfurt eine neue sportliche Herausforderung. Was aber folgte, war zunächst eine Vereinslosigkeit von Juli 2010 bis Januar 2011. Schuld war eine Schulterverletzung. „Ein Torwart mit einer kaputten Schulter tut sich bei der Vereinssuche schwer“, sagt der 1,90-Meter-Mann zur damaligen Situation und möchte dabei ein großes Dankeschön an Heribert Bruchhagen, den damaligen Vorstandsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt, richten: „Ich habe mich gerade zum Auslaufen meines Vertrages verletzt und Heribert Bruchhagen hat mir sofort eine Verlängerung für ein Jahr angeboten, sodass ich mich bei der U23 fit halten und meine Reha absolvieren konnte. Nach dem Angebot von Darmstadt 98 haben wir den Vertrag dann ganz ohne Probleme aufgelöst und somit konnte ich nach Darmstadt wechseln.“

Viele Emotionen in verschiedenen Vereinen

„Emotionen sind immer für diesen einen Moment einzigartig. Egal ob der Klassenerhalt mit Frankfurts U23 am letzten Spieltag, der Relegationssieg mit Darmstadt nach einer 3:1-Hinspielniederlage gegen Bielefeld, der DFB-Pokalsieg mit der Eintracht oder auch die Europapokalabende. Das sind alles für sich genommen solche Highlights und damit verbunden sind einzigartige Emotionen mit der Mannschaft“, blickt Jan Zimmermann spontan auf ein paar von vielen einschneidenden Momenten in seiner Laufbahn zurück.

Auf der Gegenseite zählt er „jede Verletzung, die dich für längere Zeit aus der Bahn wirft“, „dramatische Niederlagen“ und auch „individuelle Fehler, die man noch tagelang mit sich herumträgt“ als Momente auf, die er als „Flops“ bezeichnet – die den Fußball aber ebenso wie die „Tops“ ausmachen: „Die Emotionen sind einfach die Tops und Flops für jeden Spieler. Und diese vielen Emotionen, die ich im Laufe meiner Karriere durchleben durfte, machen das Gesamtbild am Ende für mich aus.“

2014 stieg Jan Zimmermann mit Darmstadt 98 in die 2. Bundesliga auf und wechselte dann zum Mitaufsteiger aus Heidenheim.

„Der FCH verpflichtet nur ganz bestimmte Spieler“

Die Frage, wieso Jan Zimmermann, der bei Darmstadt eine sehr komfortable Situation hatte, Kapitän und die unangefochtene Nummer 1 war, im Sommer 2014 den Schritt von den „Lilien“ zum FCH gewagt hat, beantwortet „Zimbo“ wie folgt: „Es ging mir immer um mehr als nur den Sport. Für mich war es wichtig mich als Mensch weiterzuentwickeln und deshalb wollte ich mal raus aus dem Rhein-Main-Gebiet.“

Die anfänglichen Gespräche mit Holger Sanwald (FCH Vorstandvorsitzender), Frank Schmidt (FCH Cheftrainer) und Bernd Weng (FCH Torwarttrainer) haben den mittlerweile 36-Jährigen damals direkt überzeugt, „weil ich gemerkt habe, dass sie sich intensiv mit mir auseinandergesetzt haben. Sie hatten ein klares Bild von mir und hatten sich schon lange Gedanken über meine Person gemacht.“

Nach der Entscheidung für den FCH hatte er weiter ein gutes Gefühl: „Die Eingewöhnung war richtig einfach, der FCH verpflichtet nämlich nur ganz bestimmte Spieler. Deshalb ist es mir total leichtgefallen, denn ich bin jemand, der hart arbeitet, erfolgreich sein will und sich weiterentwickeln möchte – genauso wie es auch der FCH verkörpert.“

Die zwei Jahre bei den Rot-Blau-Weißen verbindet der Offenbacher mit „vielen schönen Momenten und Erfolgen. Auch abseits des Platzes habe ich mich wohlgefühlt“, fügt Zimmermann hinzu und erklärt, dass seine Eltern ihn nirgends so gerne wie in Heidenheim besucht haben, da sie die Landschaft und die Stadt „total genossen“ haben. Weitere Verbindungen zum FCH pflegt der jetzige Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt auch mit Bernd Weng, mit dem er erst vor kurzem gemeinsam die Torwarttrainer A-Lizenz bei Deutschen Fußball-Bund (DFB) erworben hat. Zudem trainiert „Zimbo“ als heutiger Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt Diant Ramaj, der bis zur vergangenen Saison noch beim FCH unter Vertrag stand.

"Mir ist es beim FCH total leichtgefallen": Zimbo hütete von 2014 bis 2016 das Tor der Rot-Blau-Weißen.

Zurück zu den Anfängen – mit neuen Zielen

Nach den beiden Jahren auf dem Schlossberg und einem Zwischenstopp bei 1860 München kehrte „Zimbo“ wieder zur Eintracht zurück. Diesmal verfolgte er allerdings eine andere Intention als zu seinen Anfängen im Profigeschäft: „Für mich war es klar, dass wenn ich zu meinem Heimatverein zurückkehre, dort längerfristig, auch über mein Karriereende hinaus, bleiben will. Von meiner Seite aus ging der Gedankengang schon in die Richtung: was mache ich nach der Karriere?“ Zunächst aber war Zimmermann bei Frankfurt die Nummer zwei hinter Lukas Hradecky (aktuell Torwart bei Bayer Leverkusen) und konnte in drei Jahren als Fußballspieler den DFB-Pokal gewinnen und Europa League-Luft schnuppern, ehe er Anfang 2020 sein offizielles Karriereende verkündete.

Über seine Karriere als Spieler sagt er: „Ich habe schon immer aus der Sicht eines Torwarttrainers gedacht und habe mir selber viele Dinge analytisch beigebracht. Zum Beispiel, wie ich welche Aspekte trainieren kann, um besser zu werden und welche Ansprache vom Trainer wie auf mich gewirkt hat.“ Daher ging Zimmermann proaktiv auf die Eintracht zu und bat darum, einmal pro Woche alle Jugendtorhüter von der U10 bis zur U19 zu trainieren. Anschließend begann „Zimbo“, alle notwendigen Lizenzen zu machen und war parallel als Jugendkoordinator tätig, um weitere Erfahrungen zu sammeln. „So kam es dazu, dass ich bei der Eintracht Torwarttrainer werden durfte und darüber bin ich auch jeden Tag glücklich, weil es richtig Spaß macht“, erklärt er.

Jan Zimmermann als DFB-Pokalsieger mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2018.

Frankfurter Spielplätze als Ausgleich zum Fußball

Seit 2018 ist „Zimbo“ mit seiner Frau, die er in seiner Zeit bei 1860 München kennengelernt hat, verheiratet. Gemeinsam mit ihrer zweieinhalb Jahre alten Tochter Milly wohnen sie aktuell in Frankfurt. „Ich bin froh, dass ich eine Frau habe, die meinen Job versteht, weil es mit unserer kleinen Tochter, der Europa League und auch den Vorbereitungen auf die Trainerlizenz nicht immer ganz einfach ist“, erzählt Jan Zimmermann dankbar und fügt hinzu: „Wenn ich mal Zeit habe, dann gönne ich meiner Frau auch ihre Freizeit. Einen Menschen groß zu ziehen ist, für mich die wahre Leistung.“

Außerdem erzählt uns Jan mit einem Augenzwinkern von seinen Hobbys: „Ich lese sehr gerne und gehe jeden Tag laufen. Also wer mich mal treffen will, muss nur um 6:20 Uhr morgens am Main stehen, da sieht man mich immer!“ Ansonsten verbringt „Zimbo“ jede freie Minute mit seiner Tochter. „Ich gehe mit der Kleinen zum Kinderturnen oder wir erkunden gemeinsam die Frankfurter Spielplätze“, erzählt uns der stolze Vater und verrät, was aktuell das Schönste für ihn ist: „Wenn du mal zwei Stunden auf dem Spielplatz bist, den Fußball vergessen kannst und bei deiner Tochter bist, das ist das Schönste, was es gibt!“

Schön war auch „Zimbos“ Zeit auf dem Schlossberg. Wir sagen danke für damals und danke fürs Gespräch!

Heute ist Jan Zimmermann Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt.