Was macht eigentlich...?

Was macht eigentlich Arne Feick?

Nach der Relegations-Saison 2019/20 verließ Arne Feick den 1. FC Heidenheim 1846, um sich für ein Jahr den Würzburger Kickers anzuschließen. Doch mittlerweile hat der 33-Jährige seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Wir haben uns mit Arne, der in fünf Jahren 127 Pflichtspiele für den FCH absolviert hat, unterhalten und erfahren, was er seit seinem Karriereende macht und wo er sich mit seiner Familie niedergelassen hat.

Um das Feld von hinten aufzurollen, so wie es für einen Linksverteidiger üblich ist, werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 1988, als Arne Feick am 1. April in Berlin auf die Welt kam. Bereits früh hatte er seine Karriere als Fußballer begonnen. So erzählt er, dass er „mit vier oder fünf Jahren beim SV Mühlenbeck 1947 angefangen hat zu kicken.“ Anschließend ging es für den sehr jungen Arne weiter zum nächstgrößeren Verein SC Oberhavel Velten, wo er bereits in jungen Jahren mit dem aktuellen Rekordspieler der 2. Bundesliga Martin Männel vom FC Erzgebirge Aue zusammenspielte. Im Alter von zwölf Jahren zog es den gebürtigen Berliner gemeinsam mit seinem damaligen Teamkollegen Männel zum FC Energie Cottbus. Während Arne alle Jugendmannschaften in Cottbus durchlief, wohnte er in einem Internat und besuchte eine Sportschule, machte dort sein Abitur und lief parallel für die Nachwuchsmannschaften des DFB auf.

„Ich habe alle deutschen Jugendnationalmannschaften von der U16 bis zur U20 durchlaufen“, blickt Arne auf seine Zeit bei den DFB-Teams zurück und erklärt aus seiner Sicht, warum der Sprung ins Profigeschäft von Kleinigkeiten abhängen kann: „Wahrscheinlich ist der Jahrgang 1988 einer der besten Jahrgänge im deutschen Fußball. Ich glaube, es waren fünf Weltmeister von 2014 in diesem Jahrgang. Mit Benedikt Höwedes, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sidney Sam, Lars Stindl und Mesut Özil hatte man damals Wegbegleiter, die alle gut kicken konnten, aber dennoch gingen die Karrieren dieser Spieler in verschiedene Richtungen. Es sind einfach Kleinigkeiten, die letztendlich entscheiden.“

Arne Feick (ganz links) mit Sidney Sam (zweiter von links), Johannes Flum (dritter von links) und Max Kruse (vierter von links) bei der U20-Nationalmannschaft.

Entscheidend war für Arne auch seine Zeit bei Cottbus: „Ich hatte von der B-, über die A-Jugend und die zweite Mannschaft bis hin zu den Profis Top-Voraussetzungen und konnte auf dem jeweiligen besten Niveau spielen.“ Damals konnte Arne sowohl in der B-, als auch in der A-Jugend Juniorenbundesliga spielen. Die zweite Mannschaft von Cottbus spielte in der NOFV-Oberliga Süd (heutige Regionalliga Nord) und der Regionalliga Nord (heutige 3. Liga). Bei den Profis feierte der damalig 18-Jährige sein Bundesligadebüt.

Mehrere Stationen und eine Entscheidung fürs Leben

Nach 59 Partien für Cottbus II und zwei Einsätzen in der Bundesliga für Energie Cottbus entschied sich Arne Feick im Jahr 2008 sich Erzgebirge Aue anzuschließen. „Ich habe gemerkt, dass es bei Cottbus nicht so weiter ging wie ich es mir vorgestellt habe und das wollte ich dann nicht einfach so weiterlaufen lassen und habe es offen angesprochen“, erklärt der Linksfuß und fügt hinzu: „Natürlich ist man so auch mal angeeckt und eine Türe ist zugegangen, aber das war nie negativ für mich. Anschließend habe ich mich dann nach einer anderen Lösung umgeschaut.“

Nach diesem Jahr Aue in der 3. Liga folgten zwei Jahre 2. Bundesliga bei Arminia Bielefeld und zwei weitere Jahre in der zweithöchsten Spielklasse beim TSV 1860 München, ehe sich Arne zur Saison 2013/14 erneut Bielefeld anschloss. Mit Blick auf die Saison 2013/14 antwortete der damalige Bielefelder nur: „Relegation gegen Darmstadt, das war ein krankes Jahr!“ Ein kurzer Rückblick auf die Relegationsspiele der Saison 2013/14 zwischen der 2. Bundesliga und der 3. Liga: Der Tabellensechszehnte der 2. Liga Arminia Bielefeld konnte das Hinspiel gegen den Drittplatzierten der 3. Liga, den SV Darmstadt 98, auswärts noch mit 3:1 gewinnen. Beim Rückspiel fiel in der 79. Minute der 3:1-Führungstreffer für Darmstadt, was Verlängerung bedeutete. In der 110. Minute gelang den Bielefeldern der 3:2-Anschluss, der den Klassenerhalt gesichert hätte, wenn da nicht Elton da Costa und die 123. Minute gewesen wäre…

Im Relegationshinspiel gab es für die Bielefelder noch allen Grund zum Jubeln.

„Es hat eine Weile gebraucht“, sagt Arne über den damaligen Relegationsabstieg. „Das Spiel war am Montagabend und am Samstag hatten meine jetzige Frau und ich unsere kirchliche Hochzeit. Am Donnerstagmittag hat meine Frau dann das erste Wort mit mir geredet und meinte nur: ‚Wenn du am Samstag immer noch so drauf bist und kein Wort redest, dann brauchst du gar nicht kommen.‘“, blickt er heute mit einem Schmunzeln auf sein „schlimmstes Erlebnis im Fußball“ zurück, auf das mit der Hochzeit ein paar Tage später der wohl schönste Tag seines Lebens folgte.

Fußballerisch ging es für den 1,80 Meter großen Defensivspieler für ein Jahr beim VfR Aalen weiter, bevor Arne schließlich zum FCH kam.

5 Jahre FCH – „Viele schöne Momente“

„Ich habe beim FCH super Bedingungen vorgefunden, einen super Trainer, eine top strukturierte Vereinsführung. Ein paar vereinzelte kritische Stimmen der Fans, weil ich aus Aalen nach Heidenheim gekommen bin, sind schnell verstummt und über die Jahre habe ich mit ihnen einen mehr als vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut“, blickt Arne Feick zurück. Die schönsten Momente beim FCH, die „auf Anhieb Erinnerungen hervorrufen“, sind für ihn unter anderem das DFB-Pokal-Duell gegen den FC Bayern in der Saison 2018/19, der späte Siegtreffer gegen den HSV in der Relegations-Saison oder sein entscheidender Elfmeter in seiner Premierensaison für den FCH 2015/16 in der 2. Pokalrunde gegen Sandhausen.

Der Jubel nach dem entscheidenden Elfmeter von Arne Feick beim DFB-Pokalspiel gegen den SV Sandhausen.

„Auch das Nachbarschaftsduell beim VfB Stuttgart vor ungefähr 10.000 mitgereisten FCH Fans war super. Danach sind wir noch mit dem Mannschaftsbus direkt vor das ‚Wari‘ gefahren“, verrät er über den Besuch des Warsteiners, einer Kneipe in Heidenheim. „Das war einfach geil und sowas bleibt hängen!“, sagt er. Die damalige Mannschaft beschreibt er als eine Gruppe, die „ein super Gefühl untereinander hatte, wodurch man viel erreichen konnte. Jeder hat jedem den Erfolg und die guten Zeiten gegönnt.“

Ein weiterer schöner Moment für den Linksverteidiger in seiner Zeit beim FCH: Der 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart.

Mit dem Blick auf die zweite Relegation in seiner Karriere verbindet Arne „die zweitgrößte Niederlage nach der Tragödie mit Bielefeld“. Er sagt über die zwei unglücklichen Remis gegen Werder Bremen 2020: „Der gesamte Verein hätte die Krönung nach den vielen Jahren voller harter und erfolgreicher Arbeit einfach verdient gehabt.“

Den FCH im Rücken und klare Entscheidungen im Kopf

Nach der verlorenen Relegation gegen den SV Werder Bremen in der Saison 2019/20 wechselte Arne für ein weiteres Jahr 2. Bundesliga zu den Kickers aus Würzburg. „Es war keine einfache Entscheidung, Heidenheim zu verlassen. Aber da ich immer mehr körperliche Probleme hatte, konnte ich durch den Wechsel von Jahr zu Jahr schauen und war nach der Saison in Würzburg frei und konnte für mich entscheiden, wie mein Weg weiter geht.“

Im vergangenen Spätsommer hat Arne Feick schweren Herzens für sich selbst entschieden, seine Karriere nach insgesamt 420 Spielen, 30 Toren und 36 Vorlagen inoffiziell zu beenden. Seither wohnt der gebürtige Berliner mit seiner Frau, seinem Sohn, der letztes Jahr eingeschult wurde, und seiner Tochter, die im März ein Jahr alt wird, in Ostwestfalen, um der Familie seiner Frau nah zu sein. Beruflich strebt er eine Umschulung über die Berufsgenossenschaft zum Immobilienkaufmann an.

Arne mit Familie am vergangenen Weihnachtsfest.

Auf die Frage, ob er dem Fußball noch verbunden geblieben ist, antwortete Arne: „Aktuell nicht, aber wahrscheinlich werde ich irgendwann im Amateurbereich für Lust und Laune nochmal gegen den Ball treten. Es ist auch nicht auszuschließen, dass ich nochmal als Trainer oder Funktionär im Fußball aktiv werde.“

Wir sagen nochmal „Danke, Arne“ und freuen uns auf ein Wiedersehen in der Voith-Arena!