FCH Spielerinterview

Oliver Hüsing: "Wir müssen widerstandsfähiger werden"

Oliver Hüsing beleuchtet im Interview die Ausgangslage des 1. FC Heidenheim 1846 vor dem anstehenden Heimspiel gegen Holstein Kiel am Sonntag. Außerdem erklärt der Innenverteidiger, warum er zwar noch von seinem Siegtor gegen Schalke 04 zehren kann, die Partie gegen die Königsblauen aber dennoch längst abgehakt ist.

Servus „Hüse“, im letzten Pflichtspiel musstet Ihr vor zwei Wochen in Aue eine 0:2-Auswärtsniederlage hinnehmen. Dementsprechend stand in der jüngsten Länderspielpause sicher viel Arbeit auf dem Programm. Wie habt Ihr das Spiel in Aue aufgearbeitet?

Zum einen haben wir als Mannschaft zusammen mit dem Trainerteam sehr viel gesprochen. Das haben wir offen und ehrlich getan und sind dabei hart in die Analyse gegangen, um die Niederlage in Aue aufzuarbeiten. Zum anderen haben wir viel trainiert, denn es ist sehr wichtig, nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu tun. Wir haben an den Inhalten, in denen wir als Mannschaft noch Nachholbedarf haben, intensiv gearbeitet. Die Länderspielpause mit dieser Niederlage im Rücken hat niemandem Spaß gemacht.

Oliver Hüsing stand in dieser Saison in allen 14 Pflichtspielen über die volle Distanz auf dem Platz.

Zuvor gab’s einen Heimsieg gegen formstarke Schalker und davor Niederlagen gegen den 1. FC Nürnberg, den FC St. Pauli und Werder Bremen. Mit etwas Abstand: Hast Du einen Erklärungsansatz für die zuletzt so unterschiedlichen Gesichter des FCH?

Wenn es den einen Erklärungsansatz geben würde, hatten wir den entsprechenden Schalter längst umgelegt, um die Situation zu ändern. So einfach ist es aber leider nicht. Wir müssen als Mannschaft deutlich widerstandsfähiger werden, um innerhalb eines Spiels besser mit Rückschlägen umgehen zu können und die letzten Prozentpunkte an Gier zu entwickeln, um unbedingt erfolgreich sein zu wollen. Darauf aufbauend müssen wir dann mehr Konstanz in unsere Leistungen bekommen. Dass wir es können, haben wir oft gezeigt. Aber die Ausschläge nach unten sind zu groß. Daran müssen wir schleunigst als gesamtes Team arbeiten.

Apropos unterschiedliche Gesichter: Am Sonntag kommt mit Holstein Kiel ein Gegner in die Voith-Arena, der holprig in die Saison gekommen ist, zuletzt unter dem neuen Cheftrainer Marcel Rapp aber viermal in Folge ungeschlagen blieb. Wie erwartest Du die „neuen“ Störche?

Kiel ist wie erwähnt schleppend in die Saison hineingekommen – wahrscheinlich auch bedingt durch die Relegation im vergangenen Sommer, die damit einhergehende kürzere Sommerpause und den dann folgenden personellen Umbruch. Das sind alles Faktoren, die wir ein Stück weit auch selbst kennen. Es ist dann oft nicht einfach, in eine neue Saison zu starten. Unter Marcel Rapp konnten sich die Kieler zuletzt aber stabilisieren. Dementsprechend stabil erwarte ich sie. Kiel ist eine Mannschaft, die immer versucht, Fußball zu spielen. Darauf müssen wir uns einstellen.

Oliver Hüsing gegen Fabian Reese: "Ich erwarte stabile Kieler."

Worauf wird es dabei für den FCH ankommen?

Wir spielen zu Hause in der Voith-Arena, wo wir vor unseren Fans sehr dominant auftreten wollen. Wir wollen den Gegner früh unter Druck setzen und mit einer richtig leidenschaftlichen Leistung eine intensive Partie führen. Ich bin mir sicher, dass wir es dann auch schaffen können, die drei Punkte bei uns auf dem Schlossberg zu behalten.

Lass uns nochmal kurz auf den vergangenen Heimsieg gegen Schalke 04 zurückkommen, der für Dich ein ganz besonderes Ende bereithielt. Nimm uns doch mal mit in Deine Gefühlswelt ab der 89. Minute…

Das waren einfach Emotionen pur. Das sind die Momente, für die du Fußball spielst und von denen du als kleines Kind auf dem Bolzplatz träumst: In einem Stadion vor voller Hütte gegen einen großen Gegner spielen und dann kurz vor Schluss das Siegtor für dein Team und deinen Verein erzielen. Vor allem nach den drei Niederlagen zuvor ist mit diesem Tor und dem damit verbundenen Heimsieg einiges an Gefühlen explodiert. Wenn ich mich daran erinnere, zehre ich zwar jetzt noch immer ein bisschen davon, aber trotzdem ist das Thema mittlerweile abgehakt. Wir hätten den Heimsieg gegen Schalke eine Woche später mit einer guten Leistung in Aue veredeln können – das haben wir aber absolut nicht geschafft. Deshalb liegt unser gesamter Fokus jetzt darauf, gegen Holstein Kiel wieder Punkte einzufahren. Im Vergleich zur Leistung im Erzgebirge wollen wir auch Wiedergutmachung betreiben. Darauf liegt mein und unser Augenmerk.

Matchwinner "Hüse": "Das Thema ist mittlerweile abgehakt."

Das Siegtor gegen Schalke war Dein erster Treffer für den FCH in der Voith-Arena. Seit dieser Saison bist Du zudem Vizekapitän der Rot-Blau-Weißen. Wie siehst Du Deine Rolle im Team nach nun zweieinhalb Jahren beim FCH?

An erster Stelle steht für mich, mit Leistung voranzugehen und eine hohe Leistungsbereitschaft an den Tag zu legen – vor allem natürlich in den Spielen, aber auch tagtäglich in jedem Training. Das gilt auch für die Vor- und Nachbereitung rund um jedes Training. Im nächsten Schritt geht es darum, zusammen mit den anderen Spielern aus dem Mannschaftsrat, die Mannschaft in der Kabine und auf dem Platz anzuleiten, damit das Mannschaftsgefüge stimmt. Ich spreche viel mit meinen Mitspielern, um die Stimmung im Team aufzusaugen und eine Vorbildfunktion einzunehmen. Ich will mit der richtigen Einstellung und der passenden Mentalität Spaß am Beruf und Spaß an jedem Training haben und das auch vorleben. Somit wollen wir im gesamten Team, inklusive Trainer- und Funktionsteam, den richtigen Spirit entwickeln und diesen auch aufrechterhalten. 

Kapitäne Theuerkauf, Hüsing, Mainka: Viel sprechen, "um die Stimmung im Team aufzusaugen".