Was macht eigentlich...?

Was macht eigentlich Michael Thurk?

Zwei Aufstiege in die 1. Bundesliga, Aufstiegsheld und Double-Sieger beim FCH im Jahr 2014, Torschützenkönig der 2. Bundesliga und mehrmaliger UEFA Cup-Teilnehmer – Diese Vita gehört zweifelsfrei Ex-FCH Angreifer Michael Thurk. Doch was macht der inzwischen 45-Jährige heute? Ist er dem Profifußball erhalten geblieben oder hat er einen anderen Weg eingeschlagen?

Vor der Antwort auf all diese Fragen, bedarf es zunächst eines Rückblicks auf seine Zeit kurz vor seinem Wechsel zum 1. FC Heidenheim 1846 und auf seine zweieinhalb Jahre bei den Rot-Blau-Weißen. Denn nach seinen Profistationen bei Mainz 05, Energie Cottbus und Eintracht Frankfurt war Michael, genannt "Micha", Thurk zunächst für den FC Augsburg in der 2. Bundesliga aktiv. Trotz der Empfehlung von neun Toren sowie zehn Vorlagen aus der Augsburger Aufstiegssaison 2010/11 war der damals 35-Jährige in der Folgesaison außen vor. „Der Trainer sagte mir, dass ich nicht mehr in die Spielphilosophie passen würde“, erzählt Michael Thurk rund zehn Jahre später. „Ich war aber noch so fit, dass ich nicht aufhören wollte. Bis zum Winter war ich noch in Augsburg und habe dann mit Holger Sanwald und Frank Schmidt ein Gespräch geführt. Da war dann klar, dass wir die nächste Zeit gemeinsam beim FCH verbringen wollen“, so der Zweitliga-Torschützenkönig aus der Saison 2009/10 weiter. Ausschlaggebend für den Wechsel im Januar 2012 sei seine große Profi-Erfahrung gewesen, die das Team des FCH weiterbirngen sollte, so Thurk. 

Zum Augsburger Aufstieg steuerte Michael Thurk neun Tore sowie zehn Vorlagen bei.

Erfolgreiche Zeit beim FCH

Beim FCH angekommen, genoss Thurk das familiäre Umfeld, betonte aber, dass er nicht hergekommen sei, um sich zurückzulehnen. Im Gegenteil: Der Angreifer fand laut eigenen Aussagen bereits sehr gute Trainingsbedingungen bei einem „ambitionierten Club“ vor, bei dem erkennbar gewesen sei, dass dort etwas am entstehen war. Und so kam es auch. „Es war lustig, hat Spaß gemacht und wir waren erfolgreich. Was braucht man als Profifußballer mehr, um zufrieden zu sein?“, fragt Thurk rückblickend schmunzelnd.

Erfolgreich in Heidenheim war insbesondere Micha Thurks letztes Karrierejahr, an dessen Ende der Doublegewinn, bestehend aus wfv-Pokalsieg und Drittligameisterschaft, stand und sein Vertrag auslief. Beim 4:2 im Pokalfinale traf der 251-fache Zweitligaspieler noch zum 3:2-Führungstreffer, riss sich bei dieser Aktion jedoch das Syndesmoseband und musste daraufhin seine Karriere beenden, obwohl er sich mit 38 Jahren noch fit fühlte und eigentlich noch weiterspielen wollte. „Ich habe zwei Jahre in der Reha verbracht und immer wieder versucht, auf die Beine zu kommen. Ich wurde auch fünf- oder sechsmal am Fuß operiert, weil es immer wieder Komplikationen gab. Das war natürlich dann keine so schöne Zeit, wie man sich vorstellen kann“, schildert er die Zeit nach seiner Verletzung. „Andererseits haben wir im Spiel meiner Verletzung den Pokalsieg errungen und im Nachhinein gesehen: Welcher Spieler kann schon von sich behaupten, dass die letzte Aktion, die er jemals im Profifußball hatte, ein Tor war? Ich glaube, das gibt es auch nicht so oft“, erklärt Michael Thurk mit einem Lächeln auf den Lippen.

Im letzten Spiel der Karriere musste der Finaltorschütze verletzt vom Platz.

Abseits des Profifußballs

Noch während der Zeit seiner Verletzung machte Michael Thurk über die Berufsgenossenschaft eine Umschulung zum Steuerfachangestellten, um somit nach dem Fußball einen anderen Karriereweg einzuschlagen. „Ich habe die Zeit meiner Verletzung genutzt, damit ich mich persönlich weiterentwickeln konnte und um mir ein zweites Standbein zu schaffen“, erzählt Thurk. Bereits vor der Profikarriere hatte er eine Ausbildung zum KFZ-Lackierer angefangen, diese aber aufgrund des Fußballs abgebrochen.

Abseits des Profifußballs bedeutete für ihn jedoch keine vollkommene Abkehr zum Fußball. Denn neben seiner Ausbildung fing Micha Thurk auch an, seine Trainerscheine zu absolvieren und coachte erfolgreich die Mannschaft seines heute 14-jährigen Sohnes. Doch dabei blieb es nicht, wie der Familienvater berichtet: „Anschließend habe ich meine A-Lizenz gemacht und bin dann ins Trainerteam von Sandro Schwarz nach Mainz gewechselt.“

Sandro Schwarz und Michael Thurk sind bereits als Spieler bei Mainz 05 zusammen aufgestiegen, bevor beide für das Trainerteam des FSV aktiv waren.

Zurück zu den Wurzeln

Bei Mainz, wo die Profikarriere des gebürtigen Frankfurters begann, hatte er zur Saison 2019/20 die Position des Co-Trainers inne. Allerdings trennten sich bereits Mitte November 2019 die Wege von Mainz 05 und Cheftrainer Sandro Schwarz, was gleichzeitig bereits wieder das Ende von Thurks Co-Trainer-Amtszeit bedeutete. „Ich hätte natürlich schon gerne noch länger und mehr Einfluss nehmen wollen. Denn als Neuzugang in einem Trainerteam mit zwei weiteren Assistenztrainern kann man anfangs noch nicht direkt so loslegen, wie man möchte“, beschreibt Michael Thurk seine damalige Situation und ergänzt: „Diese Zeit war nicht da, aber das muss man im Profifußball so akzeptieren, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Auf der anderen Seite war ich natürlich aber auch froh über die Einblicke und die Erfahrung, die ich sammeln konnte.“

Für den heute 45-Jährigen ging es letztendlich aber dennoch bei den 05ern weiter. „Zur neuen Saison haben wir nochmal Gespräche geführt und es war relativ schnell klar, dass es im Verein einen Betreuer für unsere verliehenen Spieler geben soll“, berichtet Thurk über seine Aufgabe in der Spielzeit 2020/21. Beim FSV kümmerte er sich folglich intensiv um die elf verliehenen Spieler, begutachtete deren Entwicklung im neuen Verein und wie ihr Plan für die neue Saison aussehen könnte.

Zur aktuellen Saison wechselte Micha Thurk dann ins Scouting für potenzielle Neuzugänge. „Dort bin ich momentan sehr eingespannt und viel unterwegs – auch im Ausland“, erzählt er über seinen sehr zeitintensiven Job, bei dem er viel vor dem Computer sitzt, potenzielle Neuzugänge analysiert und Berichte schreibt. Dennoch sei er froh, dass er die Analysen nun auch wieder bei Stadionbesuchen machen dürfe und in dieser Art und Weise die Arbeit „abwechslungsreicher“ gestalten könne. „In Heidenheim war ich in dieser Saison übrigens auch schon“, verrät der Scout.

Micha Thurk ist dem Profifußball erhalten geblieben und inzwischen bei Mainz 05 als Scout tätig.

„Ein gutes Fundament, um den ganz großen Sprung zu schaffen“

Doch auch abseits potenzieller Spieler hat Michael Thurk den FCH im Auge behalten und sieht den Verein inzwischen als „sehr stabilisierten Zweitligaverein, der immer mal wieder dran ist, oben reinzuschnuppern. Der FCH ist langsam, aber stetig, nach vorne gekommen und ich glaube, dass das ein gutes Fundament ist, um irgendwann mal dann tatsächlich ganz weit vorne in der 2. Liga mit dabei zu sein und am Ende vielleicht den ganz großen Sprung zu schaffen.“

Für den FCH steht die nächste große Aufgabe aber zunächst am Freitagabend gegen den FC Schalke 04 an, vor dessen Team er warnt und das er am Ende der Saison auf einem der vorderen zwei Tabellenplätze sieht: „Schalke ist jetzt nicht mit der Mannschaft aus dem letzten Jahr zu vergleichen. Sie sind aktuell sehr, sehr stabil in der 2. Liga, haben mit Terodde einen überragenden Torjäger, aber auch mit Ouwejan auf der linken Seite einen sehr guten linken Verteidiger mit einem extrem starken linken Fuß. Das ist natürlich eine geniale Waffe für einen Stürmer.“ Nichtsdestotrotz weiß Thurk auch, dass der FCH zu Hause für jeden Gegner extrem unangenehm sein kann. „Ich traue dem FCH auf jeden Fall zu, dass er gegen Schalke eine Top-Leistung bringt und am Ende bestimmt auch etwas Zählbares mitnehmen kann, wenn er dieses Mal etwas mehr Fortune in der Offensive hat und vielleicht auch das ein oder andere Quäntchen mehr Glück in der Defensive.“

Damit dies klappt, drücken sicherlich nicht nur alle FCH Fans den Rot-Blau-Weißen die Daumen, sondern auch Michael Thurk!