Gegnerinterview

Weltmeister und Schalke-Urgestein Olaf Thon: „Der FCH geht gemeinsam durch Täler“

Weltmeister, UEFA Cup-Sieger und Vereinslegende – Wir haben uns vor dem ersten Pflichtspiel der FCH Vereinsgeschichte gegen den FC Schalke 04 mit Olaf Thon unterhalten. Der frühere Schalke-Profi spricht über seine Rolle im Verein, die aktuelle Situation der Königsblauen und wie er den FCH aus der Ferne wahrnimmt.

Olaf Thon, nach Ihrer erfolgreichen aktiven Karriere mit dem Weltmeistertitel 1990 oder dem Gewinn des UEFA Cups 1997 mit Schalke 04 sind Sie mittlerweile Ehrenspielführer der Königsblauen und zudem offizieller Repräsentant des FC Schalke. Was genau verbirgt sich hinter diesem Titel und was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin für den Club bei vielen verschiedenen Anlässen im Einsatz: Wir besuchen Fans, Veranstaltungen, fahren zu Fanclubs oder sprechen mit Sponsoren und Partnern. Meine Aufgabe ist sehr abwechslungsreich und macht großen Spaß, weil ich über das reden darf, was mir am besten gefällt: Fußball und Schalke! Außerdem leite ich die Traditionself und laufe noch regelmäßig selbst auf. Wir reisen durch ganz Deutschland, manchmal sogar international, und der Zuspruch der Fans ist riesig.

Sie haben die ganz großen Zeiten bei Schalke miterlebt, auch in der Saison 2018/19 waren die „Knappen“ noch in der Champions League vertreten. Wie blicken Sie auf die jüngere Vergangenheit von S04 und welche Emotionen hat der Abstieg nach so vielen Jahren in der Bundesliga bei Ihnen persönlich hervorgerufen?

Der Abstieg war fürchterlich, da will ich nicht drumherum reden. So wenig Punkte und so viele sieglose Spiele, das hat mir als Schalker richtig wehgetan. Aber das ist Vergangenheit, wir müssen nach vorne schauen. Rouven Schröder hat zusammen mit dem Vorstand einen tollen Job gemacht und das Gesicht der Mannschaft total verändert. Auch die Rückkehr unserer Fans ist eine Wohltat. Gegen Dresden waren fast 55.000 Zuschauer in der VELTINS-Arena, die Stimmung war wunderbar. Das Band zwischen Mannschaft und Fans ist auf Schalke unglaublich wichtig und ein zentraler Faktor, um erfolgreich zu sein.

Zuletzt waren knapp 55.000 Zuschauer auf Schalke mit dabei.

Nach anfänglichen Leistungsschwankungen hat sich Schalke 04 in den vergangenen Partien stabilisiert und aus den letzten vier Zweitliga-Spielen vier Siege geholt. War es vorhersehbar, dass sich die Mannschaft erst in der 2. Liga akklimatisieren musste und wie bewerten sie die aktuelle Ausgangslage hinsichtlich des direkten Wiederaufstiegs?

Für mich war das ein ganz normaler Prozess. Die Mannschaft konnte nach den vielen Transfers und nur wenigen Wochen Vorbereitung nicht von Tag eins an perfekt funktionieren. Sie hat nach dem 1:4 in Regensburg die richtige Reaktion gezeigt, hat sich freigespielt und macht mit jedem Spiel einen Schritt nach vorne. Das ist auch ein Verdienst des Trainers – ich habe immer gesagt, dass man Dimitrios Grammozis die Zeit geben muss. Dass in einigen Bereichen noch Luft nach oben ist, wissen alle Beteiligten, aber der eingeschlagene Weg ist der richtige.

Thon über S04-Trainer Grammozis: "Ich habe immer gesagt, dass man ihm Zeit geben muss."

Am vergangenen Spieltag gab es mit dem 3:0-Heimsieg gegen Dynamo Dresden auch den vierten Zweitliga-Erfolg in Folge ohne Gegentor. Vorne traf zwar nicht Torjäger Simon Terodde, dafür aber andere. Was ist das aktuelle Erfolgsrezept?

Dass jeder für den anderen da ist, dass alle, die auf dem Platz stehen, unbedingt gewinnen wollen. Das späte Siegtor in Hannover, der konzentrierte Auftritt gegen Dresden, in beiden Spielen hat die Mannschaft keinen Zentimeter Rasen abgeschenkt. Die Mannschaft ist wieder eine Einheit, das spürt man.

3:0-Sieg gegen Dresden: "Die Mannschaft ist wieder eine Einheit."

Jetzt am Freitag steht das erste Pflichtspiel überhaupt zwischen dem 1. FC Heidenheim 1846 und Schalke 04 an. Was für eine Partie erwarten Sie bei der Premiere unter Flutlicht in der Voith-Arena?

Eine spannende Partie, ohne Zweifel! Man darf sich von der Niederlage in Nürnberg nicht täuschen lassen: Heidenheim hat eine richtig gute Mannschaft, mit Frank Schmidt einen erfahrenen und fachlich exzellenten Trainer. Schalke muss wieder 104 Prozent abrufen, um Punkte aus Heidenheim mitzunehmen.

Als Schalke 04 1997 den UEFA Cup gewann war der FCH damals noch als Heidenheimer Sportbund im Amateurfußball aktiv und weit weg vom Profifußball. Was verbinden Sie mit dem Heidenheimer Fußball? 

In erster Linie natürlich Frank Schmidt. Was er immer wieder aus der Mannschaft herausholt, ist wirklich beeindruckend. Selbst die Abgänge von Leistungsträgern oder Vereinsikonen wie Marc Schnatterer kann er, zusammen mit dem Management, kompensieren. Der Verein geht gemeinsam durch Täler, lässt sich nicht auseinander dividieren. Das ist ein großes Plus im schnelllebigen Fußball.

Olaf Thon in der Schalker Traditionsmannschaft (hier bei einem Benefizspiel mit Sänger Sandro Marin).