Interview Frank Schmidt

Frank Schmidt: "Wir müssen uns mehr wehren!"

Frank Schmidt spricht im Interview über den Bundesliga-Absteiger und kommenden Gegner FC Schalke 04. Zudem nennt der FCH Cheftrainer die entscheidenden Ansatzpunkte, um nach den jüngsten drei Niederlagen des 1. FC Heidenheim 1846 die Kehrtwende einzuleiten.

Frank, nach der Niederlage in Nürnberg hast Du gesagt, dass Ihr ein paar veränderte Maßnahmen herausarbeiten müsst, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Wie sehen daher nun Eure Ansatzpunkte gegen Schalke 04 aus?

Es ist auch rückblickend noch extrem bitter. Wir haben uns mit den drei Niederlagen am Stück, die in allen drei Spielen für sich total unnötig waren, selbst in eine schwierige Situation hineinmanövriert. Das Entscheidende ist, dass wir jeweils eine gute erste Halbzeit mit zu wenig Ertrag gespielt und in der zweiten Halbzeit nicht mehr so konsequent verteidigt haben, wie wir es jeweils noch in der ersten Halbzeit gemacht haben. Klar ist, dass wir mehr Stabilität brauchen, das ist das Wichtigste. Elf Gegentore in drei Spielen sind deutlich zu viel, auch wenn wir vorne unsere Chancen viel besser hätten nutzen müssen. Das Allerwichtigste ist, dass wir die Anzahl unserer Gegentreffer minimieren. Wir überlegen uns genau, wie wir insbesondere gegen Schalke mehr Kompaktheit und mehr Verlässlichkeit in unserem Spiel herstellen können. Darüber hinaus muss es so bleiben, dass wir auch zu Torchancen kommen. Wir hatten in jedem Spiel unsere Möglichkeiten, aber wir sind jetzt eindeutig an einem Punkt, an dem es nicht nur reicht, Torchancen herauszuspielen. Wir müssen diese jetzt auch viel effizienter nutzen. Wie das geht, haben uns unsere letzten drei Gegner gegen uns eindrucksvoll vorgemacht.

In Nürnberg sahen Frank Schmidt und Co-Trainer Bernhard Raab (links) vier Gegentreffer.

Bei der Art und Weise der Gegentore zeichnet sich ein wiederkehrendes Muster ab. Generell im Fußball wird immer wieder von der mentalen Komponente gesprochen. Spielt dieser Aspekt auch bei Euch eine Rolle?

Absolut. Momentan ist es eine Negativ-Spirale, in der wir uns befinden, nachdem uns das mehr oder weniger dreimal hintereinander passiert ist. Da spielt sich dann schon auch etwas im Kopf ab. Aber durch konkrete Maßnahmen, gerade unsere Ausrichtung gegen Schalke betreffend, wollen wir natürlich dafür sorgen, dass wir uns insgesamt auf dem Platz besser verhalten. Es waren viele entscheidende, kleine Zweikämpfe, die gegen uns gelaufen sind und es gehört natürlich auch ein Stück weit Pech dazu, wie die Tore am Ende des Tages gefallen sind. Aber wir sollten nicht so stark den Fokus auf das Pech legen. Wir müssen uns wieder herausarbeiten und zeigen, dass wir richtig gut verteidigen und unsere Chancen konsequent nutzen können. Denn das eine geht nicht ohne das andere.

Frank Schmidt mit Vizekapitän Norman Theuerkauf: "Wir müssen uns wieder herausarbeiten."

Das Heimspiel gegen Schalke findet am Freitagabend unter Flutlicht in der ausverkauftem Voith-Arena statt. Kommt dieser große Gegner vielleicht gerade zum richtigen Zeitpunkt, um die Kehrtwende einzuleiten?

Wir können uns den Gegner sowieso nicht aussuchen und deshalb gilt es, uns auf die Aufgaben vorzubereiten, so wie sie uns gestellt werden. Natürlich kann man jetzt nach den drei Niederlagen zu der Annahme kommen, dass wir momentan nicht auf sicherem Fundament stehen. Das ist menschlich und sicherlich eine neue Situation. Aber das sind Herausforderungen, die die 2. Liga und die der Profifußball mit sich bringen. Deswegen sollten wir uns aufgrund der letzten drei Niederlagen nicht die Vorfreude nehmen lassen. Wir haben nur eine Aufgabe: Richtig mit unserer Situation umzugehen. Es ist ein Spiel, in dem es um drei Punkte geht und noch ist nicht entschieden, wie es ausgeht. Aufgrund dieser Tatsache haben wir die Verpflichtung, uns viel mehr zu wehren und häufiger die entscheidenden Zweikämpfe zu gewinnen. Das Gute ist, dass es trotzdem nur Phasen waren. Aber die gehören zum Spiel dazu. Wir können uns jetzt an dem orientieren, was schlecht gelaufen ist, aber es gibt auch genügend Punkte, trotz der Gegentore und Niederlagen, bei denen das Spiel einen anderen Verlauf hätte nehmen können. An diesen positiven Eckpunkten haben wir insbesondere angesetzt.

Flutlicht in der Voith-Arena: Gegen Darmstadt 98 siegte der FCH im September im Abendspiel mit 2:1.

Schalke 04 hatte zu Beginn der Saison Probleme, hat sich in der Liga in den letzten Wochen aber sehr stabil präsentiert. Wie fällt Deine Einschätzung zum Bundesliga-Absteiger aus?

Auf die Umstände, dass Schalke nun in der 2. Liga ist, sich der Kader gravierend verändert hat und es für jeden Gegner ein Highlight ist, gegen sie zu spielen, muss man sich erst mal einstellen. Aber in den letzten Zweitligaspielen haben sie viermal zu Null gespielt, sich mit einer hohen Intensität, gutem Defensivverhalten und ihrer individuellen Qualität in der Offensive nach vorne gearbeitet. Das ist eine Formel, mit der du zwangsläufig am Ende vorne stehen wirst – vor allem, wenn man bedenkt, welche Unterstützung und Strahlkraft Schalke 04 besitzt.

Bei der Schalker Offensive sprechen viele immer nur von Simon Terodde, aber er ist sicherlich nicht der einzige Spieler mit hoher Qualität bei den „Knappen“…

Ja, sie haben Ouwejan, Drexler, Zalazar, Bülter - außerdem haben sie zusätzlich als Mannschaft eine gute Qualität bei Standards und eine extreme körperliche Komponente. Sie spielen teilweise Mann gegen Mann auf dem Platz. Durch die letzten Siege in der Liga sind die Schalker mit Selbstbewusstsein ausgestattet. Dementsprechend wird es ein sehr dickes Brett, das wir am Freitag bohren müssen. Aber wir haben auch schon in der Vergangenheit – vor allem zu Hause und unter Flutlicht in der Voith-Arena – gezeigt, dass wir an einem guten Tag und mit einer hohen Emotionalität im Stadion, gegen sehr stark besetzte Gegner auch etwas holen können.

 Frank Schmidt weiß um die Qualität im Schalker Kader mit Marius Bülter (Foto) & Co.