Trainer-Interview Frank Schmidt

Frank Schmidt: „Kommen wir an unser Leistungsmaximum, können wir jeden Gegner schlagen!“

Im Interview spricht Frank Schmidt über den Tabellenführer und kommenden Gegner FC St. Pauli. Außerdem nimmt der FCH Cheftrainer vor dem anstehenden Heimspiel Stellung zur Verfassung seiner eigenen Mannschaft.

Frank, mit dem FC St. Pauli ist am kommenden Spieltag der für viele überraschende Tabellenführer in der Voith-Arena zu Gast. Stehen die Hamburger für Dich ebenfalls unerwartet auf Platz 1?

St. Pauli führt die Tabelle nicht nur aktuell, sondern auch im gesamten Kalenderjahr 2021 an. Deshalb kann man nicht unbedingt von einer Überraschung sprechen. Natürlich hat man eher andere Mannschaften vorne in der Tabelle erwartet, aber es sind auch erst neun Partien in der 2. Bundesliga absolviert. Fakt ist: Der FC St. Pauli steht auf Platz 1 und das verdient, weil die Mannschaft bisher starke Leistungen gezeigt hat.

Was macht den FCSP momentan so stark? Offensiv haben die Hamburger bereits 19 Tore geschossen und dabei defensiv lediglich acht kassiert…

Offensiv waren sie auch schon in der vergangenen Saison stark, das haben sie so auch in der jetzigen Spielzeit beibehalten. St. Pauli ist die Mannschaft mit den meisten herausgespielten Großchancen. Aber jetzt kommt noch hinzu, dass sie auch defensiv insgesamt gut stehen und die zweitwenigsten Gegentore bekommen haben. Wenn du vorne viele Tore machst und hinten wenige bekommst, dann bist du erfolgreich.

Frank Schmidt und der FCH blieben in den bisherigen Heimspielen der Saison ohne Niederlage und holten neun Punkte.

Der FC St. Pauli hat seine letzten drei Ligaspiele allesamt für sich entscheiden können. Worauf kommt es beim Duell gegen eine Mannschaft mit diesem Momentum an?

Wir müssen gegen die Qualität, die St. Pauli im Offensivspiel und gerade nach Umschaltaktionen hat, das Zentrum zubekommen. Sie haben die meisten Kontertore erzielt und zudem die meisten Treffer über die linke Seite vorbereitet. Daher müssen wir nicht nur das Zentrum, sondern gerade auch Leart Paqarada, der auf links immer wieder sehr offensiv steht, gut verteidigen. Es wird also eine herausfordernde Aufgabe in der Defensive, eine sehr offensivstarke Mannschaft über die volle Spielzeit vom eigenen Tor wegzuhalten.

Und in der eigenen Offensive…

Dort müssen wir natürlich auch selbst schauen, dass wir zu Hause den schnellen Weg zum Torabschluss suchen, da St. Pauli teilweise auch sehr offensiv steht. Sie haben beispielsweise noch keinen Gegentreffer nach einem Standard kassiert, dafür sind wir aber zum jetzigen Zeitpunkt die Mannschaft mit den meisten eigenen Eckbällen. Gerade Standards können deshalb in so einem Spiel relevant sein. Insbesondere ist es wichtig, dass wir den Anfangsdruck, mit dem St. Pauli versucht in jedes Spiel reinzugehen, abfedern und selbst im Offensivspiel Akzente setzen. Es wird wieder eine Aufgabe – das haben wir schon in der letzten Saison bei der 3:4-Heimniederlage gesehen – bei der du in der Defensive und gerade nach Ballverlusten immer hellwach sein musst, aber vorne auch zu Chancen kommen kannst. Darauf haben wir uns die gesamte Woche intensiv vorbereitet.

Frank Schmidts Mannschaft um Torhüter Kevin Müller musste beim letzten Heimspiel gegen den FC St. Pauli Anfang des Jahres eine knappe 3:4-Heimniederlage hinnehmen.

Die letzten Wochen beim FCH waren geprägt von starken Leistungen und guten Ergebnissen: Drei Siege in Folge, eine starke erste Hälfte auswärts in Bremen und der Sieg im Testspiel beim Erstligisten SpVgg Greuther Fürth. Dazwischen gab es nur eine kurze Schwächephase in der zweiten Halbzeit gegen Werder Bremen. Wie siehst Du momentan die Verfassung Deiner Mannschaft?

Insgesamt sind wir stabil, gut drauf und haben zuletzt auch regelmäßig gepunktet. Wir haben bereits bewiesen, dass wir, wenn wir an unser Leistungsmaximum herankommen jeden Gegner schlagen können. Aber man sieht eben auch, dass wir in Bremen ein, zwei individuelle Fehler verursacht haben und schon verliert man so ein Spiel mit 0:3. Diese Fehler müssen wir abstellen, insbesondere den eigenen Spielaufbau betreffend. Dort haben wir zuletzt zu viele Gegentore nach Ballverlusten und Unachtsamkeiten bekommen. Das sind Punkte, die wir angesprochen und aufgearbeitet haben und natürlich besser machen müssen.

Frank Schmidt und Kapitän Patrick Mainka nach der Niederlage in Bremen: "Insgesamt sind wir stabil."

Bislang sind schon neun Spieltage gespielt, trotzdem geht es in der Tabelle eng zu. Im Oktober stehen beim FCH drei Partien gegen Mannschaften, die aktuell vor den Rot-Blau-Weißen stehen, auf dem Programm. Ist dieser Monat damit richtungsweisend, wo sich der FCH im Tableau einsortieren wird?

Spiele sind immer richtungsweisend. Wenn man sie gewinnt, verbessert man seine Position, wenn man sie verliert, verschlechtert man sie. Das ist unabhängig davon, gegen wen man spielt. Das sieht man häufig an den Ergebnissen in der 2. Liga. Man punktet eben nicht automatisch gegen die Teams, die hinten in der Tabelle stehen und verliert gegen die, die weiter vorne platziert sind. Wir müssen in jedem Spiel an unser Maximum herankommen – egal wie der Gegner heißt. Schaffst du es, kannst du gewinnen. Schaffst du es nicht, kannst du die Spiele verlieren. Das ist uns allen aber bewusst, dafür spielen wir jetzt lange genug in dieser Liga.  

"Spiele sind immer richtungsweisend" - Frank Schmidt und seine Spieler nach dem Auswärtserfolg in Sandhausen Mitte September.