Ein Blick in die Historie

Zwei gute alte Bekannte – Frank Schmidt vs. Torsten Lieberknecht

Seit dieser Spielzeit steht beim SV Darmstadt 98 Torsten Lieberknecht als Cheftrainer an der Seitenlinie. Beim bevorstehenden Duell zwischen dem 1. FC Heidenheim 1846 treffen Frank Schmidt und sein Gegenüber bereits zum 15. Mal in einem Pflichtspiel aufeinander. Gegen keinen anderen Cheftrainer sind die Beiden jeweils so häufig angetreten.

Im Duell-Ranking von Frank Schmidt liegt hinter Torsten Lieberknecht auf Rang zwei Dirk Schuster. Gegen den früheren Chefcoach von Darmstadt 98 oder Erzgebirge Aue trat Frank Schmidt immerhin auch schon 13-mal als Trainer an. Bei Torsten Lieberknecht hingegen sieht die Rangliste noch etwas deutlicher aus: Hinter den 14 Duellen mit Frank Schmidt folgen elf Begegnungen mit Uwe Neuhaus, zuletzt Cheftrainer bei Arminia Bielefeld.

Grund genug also, vor dem anstehenden 15. Aufeinandertreffen zwischen Frank Schmidt und Torsten Lieberknecht genauer auf die zurückliegenden Duelle zu schauen.

Bedauerlicherweise muss man aus Sicht des 1. FC Heidenheim 1846 festhalten, dass die bisherige Bilanz deutlich für Lieberknecht spricht. Von 14 Aufeinandertreffen, natürlich allesamt an der Seitenlinie der Rot-Blau-Weißen, konnte Frank Schmidt gegen den gebürtigen Bad Dürkheimer drei gewinnen, dreimal wurden die Punkte geteilt und achtmal verließ die Mannschaft von Torsten Lieberknecht das Feld als Sieger. Der Trend in den Duellen aber war zuletzt ganz klar der Freund des FCH, denn die drei jüngsten Duelle gingen allesamt an die Heidenheimer.

Braunschweiger Serie

Doch der Reihe nach. Erstmals standen sich Frank Schmidt mit dem FCH und Torsten Lieberknecht mit Eintracht Braunschweig am 12. Spieltag der Drittligasaison 2009/10 gegenüber. Durch die Treffer von Bastian Heidenfelder für den FCH (24.) und Kingsley Onuegbu für den BTSV (68.) wurden die Punkte beim 1:1 geteilt. In den Folgejahren aber gingen die nächsten sechs Duelle alle an die Braunschweiger unter Lieberknecht, drei davon in der 3. Liga und ab der Saison 2014/15 die nächsten drei in der 2. Bundesliga.

Zwischen 2010 und 2017 gingen acht direkte Duelle an den BTSV: Hier Damir Vrancic gegen Christian Sauter vom FCH in der Saison 2010/11.

Erst beim 2:2 des FCH gegen Eintracht Braunschweig in der Voith-Arena am 29. Spieltag der Saison 2015/16 konnte der heute 47-jährige Frank Schmidt gegen den knapp ein halbes Jahr älteren Lieberknecht die nächsten Punkte holen – und das nach einem 0:2-Rückstand. Nach dem Eigentor von Julius Reinhardt (21.) und dem 2:0 durch Domi Kumbela 20 Minuten später sah der BTSV zur Halbzeit schon fast wie der Sieger aus. Im zweiten Durchgang aber kam der FCH durch das Elfmetertor von Marc Schnatterer (49.) und Arne Feicks Ausgleich in der 74. Minute noch zu einem hart erkämpften Punktgewinn.

Erster FCH Sieg in der Saison 2017/18

Nach einem weiteren Remis und zwei Niederlagen konnten Cheftrainer Frank Schmidt und der 1. FC Heidenheim 1846 gegen Eintracht Braunschweig unter Torsten Lieberknecht in der Saison 2017/18 endlich den ersten Sieg erringen. Am 24. Januar 2018 siegte der FCH in der Voith-Arena mit 2:0. Denis Thomalla, noch heute für den FCH aktiv, in der 48. Spielminute und Kolja Pusch (83.) sorgten für Frank Schmidts ersten Dreier gegen Torsten Lieberknecht. Dieser Umstand spielte damals aber nur eine untergeordnete Rolle. „Ich sage es ganz ehrlich: Ich freue mich nicht, dass wir zum ersten Mal in unserer Vereinsgeschichte Braunschweig geschlagen haben, sondern weil die Punkte  so wichtig sind“, sagte Frank Schmidt damals über die Situation des FCH, der mit dem damaligen Erfolg gegen Braunschweig mit einem Sieg aus der Winterpause kam. Am Ende der Saison stand für die Heidenheimer mit Platz 13 der Klassenerhalt, der erst am letzten Spieltag gesichert wurde.

Am 24. Januar 2018 holte Frank Schmidt (links) seinen ersten Sieg gegen Torsten Lieberknecht (rechts).

Für Eintracht Braunschweig hingegen endete die Saison 2017/18 mit drei Zählern weniger als beim FCH und damit mit dem Abstieg in die 3. Liga. Damit war erwähntes Duell in der Voith-Arena zwischen Frank Schmidt und Torsten Lieberknecht auch das letzte mit Lieberknecht als Braunschweiger Cheftrainer. Er verließ den Club nach zehn Jahren. Hinter Frank Schmidt, der in der vergangenen Woche sein 14-jähriges Dienstjubiläum als FCH Cheftrainer feierte, war Lieberknecht damals lange Zeit der zweitdienstälteste aktive Trainer im deutschen Profifußball.

Wiedersehen gegen Duisburg

Ein Wiedersehen zwischen Frank Schmidt und Torsten Lieberknecht gab es dennoch in der folgenden Saison, letzterer war nun Cheftrainer des MSV Duisburg. Doch wie bereits angedeutet konnte sich der FCH dieses Mal beide Siege holen. Dem 4:1-Heimsieg in der Voith-Arena Ende 2018 (Tore durch Thomalla, Schnatterer sowie einen Doppelpack von Dovedan) folgte am 33. Spieltag der Saison 2018/19 ein 4:3-Auswärtssieg in Duisburg (Tore durch Glatzel, Thomalla und Dorsch sowie Bomheuers Eigentor).

Für den MSV Duisburg und Torsten Lieberknecht bedeutete die damalige Niederlage den Abstieg in die 3. Liga. „Fakt ist, dass es ein ganz harter Tag ist“, fasste der damalige MSV-Trainer seinerzeit zusammen. Und auch Trainerkollege Frank Schmidt pflichtete bei: „Natürlich freuen wir uns über den Sieg nach zwei Niederlagen, das war wichtig für uns. Aber wenn man hier als Gastmannschaft auftritt und erlebt, wie ein Traditionsverein absteigt, leidet man ein Stück weit mit, denn Thorsten Lieberknecht kenne ich schon sehr lange.“

Frank Schmidt und Torsten Lieberknecht vor dem bislang letzten Aufeinandertreffen 2019 in Duisburg.

„Man muss Torsten ein Kompliment machen“

Entsprechend hoch ist auch heute noch Frank Schmidts Meinung über Torsten Lieberknecht als Cheftrainer von Darmstadt 98 (siehe Interview hier): „Man muss Torsten Lieberknecht ein Kompliment machen, wie er sich von den anfänglichen Problemen durch Corona zu Saisonbeginn, als ihm viele Spieler gefehlt haben, nicht hat beeinflussen lassen“, sagt der FCH Cheftrainer vor dem Wiedersehen mit Lieberknecht. Gemeint sind Lieberknechts Personalsorgen zu Anfang der Saison, als ihm aufgrund von positiven Corona-Tests zwischenzeitlich etliche Profis fehlten und lediglich noch 14 Darmstädter Feldspieler, davon vier U19-Spieler, zur Verfügung standen. „Es gibt eine hohe Motivation, gegen alle Widerstände anzukämpfen und die Herausforderungen anzunehmen. Meine Aufgabe bleibt diese Positivität. Die Spieler, die da sind, machen einen sehr ordentlichen Job“, gab sich der Cheftrainer der „Lilien“ damals kämpferisch.

Eine detaillierte Gegnervorstellung zu Darmstadt 98 lest Ihr hier.

Und, nachdem sich die personellen Sorgen anfänglich auch in verlorenen Spielen widerspiegelten, stabilisierte sich Darmstadt 98 zuletzt. Nach den Auftaktniederlagen gegen Jahn Regensburg und den Karlsruher SC sowie dem Pokalaus gegen den TSV 1860 München holten die Südhessen aus den vergangenen fünf Spielen zehn Punkte, was aktuell Tabellenplatz 9 entspricht – zwei Plätze und zwei Zähler hinter dem FCH.

Je nachdem, wer der beiden alten Bekannten mit seiner jeweiligen Mannschaft beim anstehenden Duell am Freitag um 18:30 Uhr in der Voith-Arena die Oberhand behält, kann sich die Tabelle in diesem Bereich nun also etwas verschieben. Wir hoffen natürlich zugunsten des FCH!