Trainer-Interview Frank Schmidt

„Wir müssen unsere Chancen kaltschnäuziger nutzen!“ - Unser Cheftrainer Frank Schmidt im Interview

Frank, wettbewerbsübergreifend blieb deine Mannschaft, sowohl in den beiden Spielen gegen Hansa Rostock als auch auswärts bei Hannover 96, ohne Sieg. Die entscheidenden Gegentreffer fielen alle in der Schlussphase. Woran lag dieses wiederkehrende Muster jeweils zuletzt?

Frank Schmidt: "Das stimmt, der Spielverlauf war in diesen Partien ähnlich. Wir waren in allen drei Spielen in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Im DFB-Pokal in Rostock haben wir zur Pause geführt, beim Heimspiel eine Woche später gegen Hansa und zuletzt in Hannover haben wir es hingegen verpasst, im ersten Durchgang den Führungstreffer zu erzielen. Wir hatten zuletzt das Problem, dass wir aus dominanten und druckvollen Phasen zu wenig Kapital geschlagen haben. Wenn du in solchen Situationen deine Tore nicht machst, hältst du den Gegner automatisch im Spiel und kannst bei eigenen Fehlern immer sofort bestraft werden. Das haben wir in den letzten drei Spielen gegen Rostock bzw. in Hannover schmerzhaft erfahren und dadurch auch leider eindeutig Punkte liegen gelassen. Es hilft jedoch nichts zu hadern, wir müssen es jetzt als Mannschaft einfach insgesamt wieder besser machen."

Frank Schmidt im Gespräch mit Tobias Mohr während der Partie gegen Hannover 96.

Wie lässt sich denn ganz konkret daran im Training arbeiten?

Frank Schmidt: "Natürlich trainieren wir momentan viel im Bereich der Torabschlüsse, aber auch die Laufwege und das Positionsspiel stehen im Vordergrund. Es geht darum, schnell nach vorne umzuschalten und dann erfolgreich abzuschließen. Insbesondere nach dem Auswärtsspiel in Hannover haben wir zahlreiche Trainingsformen gewählt, in denen dann auch viele Tore fielen. Umso mehr gilt es jetzt, den Transfer vom Training ins Spiel zu schaffen. Wiederum positiv hervorzuheben war zuletzt, dass wir uns gute Torchancen erspielt und erarbeitet haben. Diese Möglichkeiten müssen wir aber einfach besser und kaltschnäuziger nutzen."

Frank Schmidt: "Umso mehr gilt es jetzt, den Transfer vom Training ins Spiel zu schaffen."

Beim Heimspiel am Samstag wartet der Hamburger SV, der im Sommer erneut den Trainer ausgetauscht hat. Was für einen Gegner erwartest du beim insgesamt siebten Aufeinandertreffen beider Vereine?

Frank Schmidt: "Diese Veränderungen auf der Trainerpositionen sind ja kein Selbstzweck. Für den HSV geht es einzig darum, im mittlerweile vierten Zweitliga-Jahr endlich den Wiederaufstieg zu schaffen. Natürlich zählen sie erneut zu den Top-Teams, die um die vordersten Plätze kämpfen werden. Mit Trainer Tim Walter hat sich die Spielphilosophie wieder etwas verändert. Es wird sehr viel Wert auf Ballbesitz und variables Positionsspiel gelegt. Umso wichtiger ist, dass du defensiv gegen solch einen Gegner äußerst aufmerksam und handlungsschnell bist. Gelingt dir das, können sich auch Räume im Spiel nach vorne ergeben."

Frank Schmidt spricht über die Spielphilosophie des HSV und den neuen Trainer Tim Walter.

Zur starken Offensive des HSV zählt seit diesem Sommer auch Robert Glatzel. Wie sehr freust du dich auf das erste Wiedersehen mit deinem ehemaligen Torjäger nach seinem Abgang vom FCH im Sommer 2019?

Frank Schmidt: "Ich habe seinen Weg in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt. Zur Erinnerung: Er ist damals ohne große Zweitligaerfahrung aus Kaiserslautern zu uns gekommen und dann später in die englische Championship zu Cardiff City gewechselt. Das verdeutlicht, welche Entwicklung er in diesen beiden Jahren bei uns schon genommen hat. Bei Mainz 05 konnte er sich im vergangenen halben Jahr sogar in der Bundesliga beweisen, ehe ihn im Sommer der HSV verpflichtet hat. Diese Karriere hatten ihm zu Beginn seiner Zeit beim FCH wahrscheinlich nur die wenigsten zugetraut. Wir haben damals schon viel Potential in ihm gesehen und auch intensiv mit ihm gearbeitet. Sein Karriereweg spricht für ihn. Er hat sich das alles selbst erarbeitet. Natürlich freue ich mich, ihn am Samstag zu sehen. Wir standen auch immer mal wieder per WhatsApp im Kontakt. Ganz pragmatisch geht es aber für uns vor allem darum, ihn über 90 Minuten gut zu verteidigen. Wenn 'Bobby' Raum und Platz hat, ist er extrem torgefährlich – darauf sind wir eingestellt."

Frank Schmidt über seinen ehemaligen Angreifer und jetzigen HSV-Stürmer Robert  'Bobby' Glatzel: "Wir haben damals schon viel Potential in ihm gesehen und auch intensiv mit ihm gearbeitet."

Die Voith-Arena wird am Samstag zu 50 Prozent ausgelastet sein, mehr ist behördlich momentan noch nicht möglich. Es ist unter den aktuellen Umständen also alles angerichtet für ein echtes Heimspiel-Highlight…

Frank Schmidt: "Ausgerechnet unsere beiden Heimsiege gegen den HSV haben damals stattgefunden als coronabedingt keine Zuschauer in die Stadien durften. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Fans endlich wieder dabei sein können und hoffen, dass die Voith-Arena am Samstag einem Hexenkessel gleichen wird. Ganz klar: Mit der Unterstützung unserer Fans wollen wir auch gegen den Hamburger SV drei Punkte holen!"

Mit der Unterstützung der Fans in der Voith-Arena soll gegen den HSV der erste Heimsieg der Saison eingefahren werden.